by G. H. | Apr 9, 2016 | Hüfte + Endoprothetik, News
Perkutane ileosakrale Kompressionsosteosynthese mit Fixateur interne und kanülierten Schrauben bei osteoporotischen Frakturen des hinteren Beckenrings
Bauer J, Stiegeler I, Hölzl A, Verheyden A
Fragestellung: Bei Patienten mit Osteoporose sind Frakturen des Os sacrum häufig und typischerweise mit starken, immobilisierenden Schmerzen verbunden. Eine biomechanisch befriedigende minimal invasive Stabilisierungstechnik ist bisher nicht etabliert. Die alleinige perkutane transiliosakrale Verschraubung ist beim osteoporotischen Knochen mechanisch nicht ausreichend, eine vertebropelvine Abstützung zu invasiv und komplikationsträchtig. Beschrieben wird eine perkutane Kombination von transileosacraler Verschraubung und einer Kompressionsosteosynthese des Sacrums durch ein Fixateur interne System.
Methodik: Neben der bekannten Technik der mono- oder bilateralen transiliosakralen Schraubeninsertion werden von dorsal beidseits in Höhe der Spina iliaca posterior superior Pedikelschrauben mit 9mm Durchmesser und 80-90 mm Länge in Richtung auf das Zentrum des Hüftkopfes perkutan in das Os ileum eingebracht. Eine Verbindungsstange 5,5mm wird W-förmig vorgebogen, subcutan über dem Lig. Supraspinosum durchgeschoben und unter Kompression winkelstabil mit leichter angulärer Vorspannung mit den Schrauben verbunden. Bei allen Patienten wurde die Osteosynthese ISO C 3D-kontrolliert und teilweise navigiert.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Es wurden ab 7/2011 bis heute 18 Patienten prospektiv erfasst, 15 Frauen und 3 Männer mit osteoporotischen Frakturen des Os sacrums, die mit dem oben genanntem Verfahren therapiert wurden. Bei 12 davon lag eine begleitende vordere Beckenringfraktur vor, die in 2 Fällen mit perkutaner Kriechschraube des Schambeins stabilisiert wurde. Das Durchschnittsalter war 79 Jahre (71-90). Bei allen Patienten ließ sich die perkutane Kompressionsosteosynthese des Os sacrum sowie die transileosacrale Verschraubung technisch gut durchführen. Die durchschnittliche Op-Dauer betrug 103 Minuten. In einem Fall mussten intraoperativ die Schrauben des Fixateur interne im Os ileum mit Zement augmentiert werden, in 2 Fällen wurde die transileosacrale Schraubenlage nach dem 3D Scan intraoperativ korrigiert. Ein Patient musste postoperativ wegen eines Seroms punktiert werden. Alle Patienten konnten in deutlich schmerzreduziertem Zustand unter Vollbelastung remobilisiert werden. Follow up bis 6 Monate ist bisher bei 15 Patienten dokumentiert. Inlet-Outlet Aufnahmen zeigten knöchern gut konsolidierte Frakturen sowie eine regelrechte Implantatlage bei 14 Patienten. In einem Fall waren die transileosacralen Schrauben gelockert, die Fraktur aber geheilt.
Die perkutane ileosakrale Kompressionsosteosynthese mit Fixateur interne und kanülierten Schrauben ist eine effektive, wenig belastende Behandlungsmethode um bei Patienten mit osteoporotischen Frakturen des hinteren Beckenrings zu einer schnellen schmerzarmen Remobilisierung zu kommen. 3D Bildgebung im Op und Navigation erhöhen die Sicherheit der Schraubenplatzierung und reduzieren die Strahlenbelastung für Patienten und OP-Team.
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI12-1226
doi: 10.3205/14dkou019, urn:nbn:de:0183-14dkou0191
Veröffentlicht: 13. Oktober 2014
© 2014 Bauer et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.
by G. H. | Apr 9, 2016 | Hüfte + Endoprothetik, News
Biomorphometrische CT-basierte Analyse des infraazetabulären Korridors zur Versorgung von Azetabulumfrakturen
Gras F, Gottschling H, Schröder M, Marintschev I, Hofmann GO, Burgkart R
Fragestellung: Bei der operativen Versorgung von Azetabulumfrakturen ermöglicht die infraazetabuläre Schraubenplatzierung einen periazetabulären Rahmenschluss [1], [2], [3]. Hierdurch kann die Osteosynthesestabilität in biomechanischen Untersuchungen um bis zu 50% gesteigert werden [2], [3]. Im klinischen Alltag ist die sichere Platzierung jedoch häufig schwierig. Eine genaue Kenntnis der Korridormaße und -achsen ist von entscheidender Bedeutung für eine sichere Schraubenpositionierung.
- In wie viel Prozent der Patienten ist ein infra-azetabulärer Korridor (≥5 mm Durchmesser) vorhanden?
- Existiert eine universale Korridorachse mit definiertem Ein- und Austrittspunkt?
- Korrelieren diese Parameter mit verschiedenen anthropometrischen Eigenschaften?
Methodik: Von 523 segmentierten Becken (208 Frauen, 315 Männer; anonymisierte Datenbank; Fa. Stryker) wurde ein repräsentatives Template erstellt, um so jedes einzelne Becken mit Hilfe eines free-form registration Algorithmus abzugleichen. Potentielle Ein- und Austrittspunkte des infraazetabulären Korridors wurden am Template eingezeichnet und anschließend automatisch auf die einzelnen Becken übertragen, um so die jeweiligen maximalen Korridordurchmesser, -längen und -achsen zu bestimmen.
Die deskriptive und analytische Statistik erfolgte mit SPSS 20. Die multivariable lineare Regressionsanalyse mit R Core Team (2013). Die Werte sind als MEAN ± SD angegeben.
Ergebnisse: In 485 von 523 Becken (93%) wurde ein infraazetabulärer Korridor mit einem Durchmesser von mindestens 5 mm (Länge 81-122 mm) bestimmt. Die mittlere Korridorachse wies einen Inklinationswinkel von 54,8±7,2° in Relation zur Lewinnek Ebene, sowie eine mediale Abkippung der Sagittalebene von 1,53±4,9° auf. Bei Verwendung dieser Parameter, als Empfehlung für eine universale Schraubenausrichtung, lässt sich ein adäquat großer Korridor in 64% der Becken finden. In weiteren 25% der Becken muss der 3D Winkel um ≤5° modifiziert werden. Eine Geschlechterabhängigkeit (weiblich vs. männlich) besteht sowohl für den Korridordurchmesser (6,90±1,57 vs. 7,71±1,71; p=0.05), als auch für die Korridorachse (mediale Abkippung der Sagittalebene: 0,29±4,23 vs. 4.29±0,32; p<0.001; kaudale Abkippung der Lewinnek-Ebene: 54,0±6,94 vs. 55,3±7,26; p=0.05).
Schlussfolgerung: Durch die Bestimmung der infra-azetabulären Korridorausrichtung und -größen, sowie Beschreibung des optimalen Eintrittspunktes gibt diese Studie wichtige Zusatzinformationen zur sicheren Platzierung einer infraazetabulären Schraube.
Die infraazetabuläre Korridorachse weist eine geringe, interindividuelle Varianz auf. Aufgrund des engen, knöchernen Korridordurchmessers wird jedoch eine individuelle, präoperative CT-Analyse empfohlen.
Literatur:
- Culemann U, Marintschev I, Gras F, Pohlemann T. Infra-acetabular corridor – technical tip for an additional screw placement to increase the fixation strength of acetabular fractures. J Trauma. 2011 Jan;70(1):244-6. DOI: 10.1097/TA.0b013e3181f45f91 Externer Link
- Gras F, et al. J Trauma. 2012.
- Marintschev I, Gras F, Schwarz CE, Pohlemann T, Hofmann GO, Culemann U. Biomechanical comparison of different acetabular plate systems and constructs–the role of an infra-acetabular screw placement and use of locking plates. Injury. 2012 Apr;43(4):470-4. DOI: 10.1016/j.injury.2011.11.009 Externer Link
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI12-972
doi: 10.3205/14dkou018, urn:nbn:de:0183-14dkou0189
Veröffentlicht: 13. Oktober 2014
© 2014 Gras et al.
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by G. H. | Apr 9, 2016 | Hüfte + Endoprothetik, News
Beobachtungsstudie zum Management instabiler Beckenfrakturen
Wohlrath B, Trentzsch H, Schweigkofler U
Fragestellung: Die mechanische Stabilitätsprüfung wird zur Diagnose instabiler Beckenfraktur trotz zweifelhafter Aussagekraft empfohlen. Die zunehmende Verbreitung von präklinisch anwendbaren Hilfsmitteln zur nicht-invasiven Stabilisierung könnte einen Paradigmenwechsel einleiten. Diese Beobachtungsstudie soll die tatsächliche Praxis hinsichtlich der Anwendung von nicht-invasiven Stabilisationsmethoden und der mechanischen Stabilitätsprüfung untersuchen. Wir präsentieren eine Zwischenauswertung.
Methodik: Prospektive, multizentrische Beobachtungsstudie an schwerverletzten Patienten mit präklinischem V.a. Beckenringfraktur anhand Mechanismus oder klinischer Untersuchung. Daten zur Stabilitätsprüfung, der bildgebenden Diagnostik und zu Stabilisierungsmaßnahmen werden anonym mittels standardisiertem Fragebogen erhoben. Die Stabilitätsprüfung ist der Index-Test, die CT der Referenztest. Die Daten sind in Absolutzahlen und Prozent angegeben.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Bisher wurden 48 Patienten eingeschlossen, 24 (50%) zeigten im CT eine instabile und 4 eine stabile Fraktur.
Die Stabilitätsprüfung wurde bei nur 26 Fällen (54%) durchgeführt. Gleichzeitig wurden aber 36 Fälle (75%) bereits präklinisch mit Beckengurt (BG 71%) oder Vakuummatratze (VM 29%) stabilisiert. Davon hatten 13 (50%) Patienten mit BG eine instabile Fraktur. Alle BG wurden belassen und die Stabilitätsprüfung im SR unterlassen. Von 10 Patienten mit VM zeigten 6 instabile Frakturen, fünf davon erhielten eine Stabilitätsprüfung.
Bei den 26 auf Stabilität geprüften Patienten fand sich bei nachgewiesener Instabilität in 45% ein positiver (pathologischer) Test (Sensitivität 46%, positiver prädiktiver Wert 100%). Alle Patienten mit stabilem Becken hatten einen negativen Test (Spezifität 100%, negativer prädiktiver Wert 71%). Von 6 Patienten mit falsch-negativem Test gingen 4 ohne Stabilisierung ins CT.
95% der Patienten erhielten ein CT (72% Traumaspirale, 23% isoliertes Becken-CT). Bei 57% wurde vor der CT noch geröntgt. Eine externe Stabilisierung im Schockraum erfolgte 10x mit BG-Anlage (91%) ,1x Beckenzwinge (9%).
Die Daten zeigen bisher eine geringe Aussagekraft der mechanischen Stabilitätstestung. Bei einem Drittel der Patienten muss trotz negativem Test eine instabile Fraktur befürchtet werden, zwei Drittel der falsch-negativen Patienten würden ohne weitere Diagnostik (z.B. Röntgen) unterversorgt ins CT gehen.
Wegen des häufigen Einsatzes präklinisch angelegter Beckengurte wird die Stabilitätsprüfung offenbar seltener durchgeführt. Hinsichtlich der hohen Rate falsch-negativer Ergebnisse der klinischen Stabilitätsprüfung sollte unabhängig davon bei anamnestisch/klinischem V.a. eine Beckenringverletzung die Anlage eines Beckengurtes erfolgen.
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI12-854
doi: 10.3205/14dkou017, urn:nbn:de:0183-14dkou0176
Veröffentlicht: 13. Oktober 2014
© 2014 Wohlrath et al.
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by G. H. | Apr 9, 2016 | Hüfte + Endoprothetik, News
Vergleich der Reliabilität Röntgen- und CT-Bild-basierter Beurteilungskriterien sakraler Formvarianten in Hinblick auf eine sichere transversale SI-Verschraubung im 1. Sakralsegment
Mendel T, Wienke A, Ullrich B, Noser H, Goehre F, Hofmann GO, Radetzki F
Fragestellung: Die Formenvariabilität des Sakrums ist hinlänglich bekannt. Sie gilt als eine der Hauptursachen für die Fehlplatzierung von SI-Schrauben im 1. Sakralsegment. Insbesondere horizontale Schraubenlagen, die bei zentralen und bilateralen Sakrumfrakturen angestrebt werden, können bei der sog. Sakrumdysplasie erschwert bzw. unmöglich sein. Die genaue Analyse präoperativer Röntgen- und CT-Aufnahmen ist daher essentiell. In dieser Studie wird die eigens entwickelte Methode des lateralen Sakraldreiecks nach Mendel mit konkurrierenden Methoden nach Routt, Kim und Carlson hinsichtlich Ihrer Reliabilität in der praktischen Anwendung verglichen.
Methodik: Die o.g. Methoden basieren auf folgenden Grundlagen: Nach Routt werden Outlet-, Röntgenseitbild (RSB) und ein axialer CT-Schnitt auf 6 inkonstante Dysplasiemerkmale geprüft. Nach Kim wird das Sakrum im RSB anhand der S1-Körpererhebung über die Linea terminalis in eine normale, Übergangs- und dysplastische Form gegliedert. Carlson beurteilt im axialen CT-Schnitt den Abstand zwischen S1-Foramen und ventralem Kortex (geräumig: >12mm, intermediär: 7,5-12mm, dysplastisch: <7,5mm). Mendel ermittelt den Quotienten aus Deckplattenlänge und Vorderwandhöhe S1 (ratioT) im RSB. Der Wert >1,5 erlaubt die Implantation von 1 oder mehr SI-Schrauben. 3 unerfahrene (TP1, 2, 3) und 2 versierte Testpersonen (TP4, 5) untersuchten aus 80 Becken-CTs generierte röntgenähnliche Projektionen und CT-Schnitte entsprechend o.g. Methoden daraufhin, ob eine transversale Schraubeninsertion möglich ist. Die Reihenfolge der anonymisierten Fälle war zufällig. Mittels Kreuztabellenanalyse wurden für jede Einteilung und TP Sensitivität und Spezifität berechnet. Prüfgrößenmittelwerte wurden einteilungsbezogen gegenübergestellt. Der Einfluss klinischer Erfahrung (TP 1, 2, 3 versus TP 4, 5) wurde mit dem unabhängigen t-Test geprüft.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Die eigene Einteilung erreichte mit 86% die höchste mittlere Sensitivität bei allen TP. Für die anderen Methoden betrugen diese lediglich: Kim 67%, Carlson 74% und Routt 75%. Die Spezifität betrug bei Mendel Ø73%. Lediglich mit der Kim-Einteilung konnten mit 79% höhere Werte erreicht werden. Für beide statistische Gütekriterien erreichte die eigene Methode die konsistent niedrigste Streuung um ihren Mittelwert bei Standardabweichungen von 6,8% für Sensitivität und 10,8% die Spezifität. Der t-Test ergab keine signifikanten Unterschiede der Bewertungsergebnisse der 3 unerfahrenen verglichen mit denen der 2 versierten TP (Sensitivität p=0,09, Spezifität p=0,3).
Die Methode des lateralen Sakraldreiecks ermöglicht eine reproduzierbare Aussage über die Existenz des transversalen SI-Korridors im Segment S1. Sie behauptet sich gegenüber anderen Einteilungen als durchweg sichere und zugleich präzise Entscheidungshilfe für den Operateur, unabhängig von seiner Erfahrung. Es bedarf lediglich eines RSB. Im Gegensatz zu den Methoden von Carlson und Routt sind keine CT-Aufnahmen erforderlich.
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI12-353
doi: 10.3205/14dkou016, urn:nbn:de:0183-14dkou0164
Veröffentlicht: 13. Oktober 2014
© 2014 Mendel et al.
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by G. H. | Apr 5, 2016 | Hand, News
Tangentialaufnahme und intraoperative 3D Fluoroskopie zur Vermeidung von Schraubenfehllagen bei distalen Radiusfrakturen
Graul I, Rausch S, Marintschev I, Klos K, Friedel R, Hofmann GO, Gras F
Fragestellung: Strecksehnenirritationen und -rupturen stellen mit 2,6% die haeufigste Komplikation bei operativ versorgten Radiusfrakturen dar [1]. Als Ursache werden bevorzugt ueberstehende Schrauben (in bis zu 15% der Versorgungen), trotz intraoperativer Fluoroskopie in 2 Ebenen beschrieben [2]. Die Fragestellung dieser Studie war, ob sich sowohl durch die -erstmals 2006 beschriebene- Tangentialaufnahme nach Doenicke [3], als auch durch die anschliessende intraoperative 3D Bildgebung [4], [5] revisionsbeduerftige Schraubenueberlaengen und intraartikulaere Fehllagen detektieren lassen.
Methodik: In einer prospektiven Studie ueber 10 Monate wurden 49 Patienten mit distalen Radiusfrakturen (22x linke, 25x rechte Seite, 1x beidseitig) eingeschlossen, die mit einer volaren, Zwei-Saeulen-Radius-LCP (Fa. Synthes) versorgt wurden.
Nach Komplettierung der Osteosynthese (inkl. BV-Kontrolle in 2Eb.) erfolgte additiv eine Tangentialaufnahme (Synonyme: Doenicke-view; dorsal tangential view; dorsal horizon-view; skyline-view) mit Schraubenwechsel bei Fehllagen, sowie ein isozentrischer 3D Scan (Vision Vario 3D, Fa. Ziehm) zur intraoperativen Abschlusskontrolle. Fuer diese Operationsschritte wurden OP-Zeiten, Anzahl der Roentgenbilder, -zeit und das Dosis-Flaechenprodukt dokumentiert.
Eine pre-hoc Poweranalyse ergab bei einer geschaetzten Schraubenfehllage von 20% eine Mindest-Studiengroesse von 46 Patienten. Die Werte sind als MEAN ± SD angegeben. Die deskriptive statistische Auswertung erfolgte mit SPSS 20. Ein positives Votum der Ethik-Kommission lag vor (Nr.3630-12/2012).
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Die Operationszeit (inklusive 3D-Scan) lag bei 79 ±20min mit einer Gesamtroentgenzeit von 78,1 ±16,8sec und einem Dosisflaechenprodukt von 55,5 ±23,9cGy/cm2. Fuer eine verwertbare Tangentialaufnahme waren 3 ±2,5 Einzelbilder (2,12 ± 2,21cGy/cm2, 4,4 ± 4,5sec) erforderlich. 14 von 232 Schrauben wurden aufgrund eines dorsalen Ueberstandes gewechselt. Die Durchfuehrung des anschliessenden 3D Scans fuehrte zu einer 10,02 ± 3,82min Verlaengerung der OP-Dauer bei einer Strahlenbelastung von 39,0 ±15,0cGy/cm2; 53,8s ± 22,7sec. Hierdurch wurden 9 zusaetzliche Schraubenwechsel (8x Ueberlaenge; 1x intraartikulaere Lage) durchgefuehrt. Bei 10 der 22 Schraubenueberstaende handelte es sich um die radialste Schraubenposition im 2. Strecksehnenfach. In vier Faellen war ein 3D-Scan aufgrund technischer Stoerungen nicht durchfuehrbar.
Durch die Tangentialaufnahme nach Doenicke konnte in 6% der Faelle eine Schraubenueberlaenge detektiert werden, die in den 2 Standardebenen nicht zu erfassen war, weshalb wir diese Zusatzaufnahme empfehlen. Die additive Verwendung des 3D-Bildwandlers erscheint bei Radiusfrakturen gegenwaertig wegen des technischen und zeitlichen Aufwandes mit deutlich eingeschraenkter Bildqualitaet durch subchondrale Schraubenartefakte im klinischen Alltag nur bedingt sinnvoll.
Literatur:
1.Tarollo. J Orthop Trauma. 2013
2.Lee. Bone Joint J. 2013
3.Doenicke. DKOU, 2006
4.von Recum. J Hand Surg Eur. 2012
5.Mehling. J Hand Surg Eur. 2013
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI11-623
doi: 10.3205/14dkou015, urn:nbn:de:0183-14dkou0158
Veröffentlicht: 13. Oktober 2014
© 2014 Graul et al.
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by G. H. | Apr 5, 2016 | Hand, News
Die perkutane, intramedulläre Reposition von Basisimpressionsfrakturen der Phalangen – mittelfristige Ergebnisse
Schöll H, Mentzel M, Röhm A, Dehner C, Gülke J, Apic G, Kraus M
Fragestellung: Die Mittelgelenksimpressionsfraktur ist mit einer Inzidenz von ca. 9/100 000 Einwohner/Jahr eine seltene Verletzung. Inadäquat oder unbehandelt entwickeln sich persistierende Subluxationen mit Gelenkeinsteifungen und posttraumatische Arthrosen mit Schmerzen. In Folge ist eine operative Versteifung des Gelenkes häufig notwendig. Die operative Therapie verbleibt schwierig, da es sich meist um einen Trümmerbruch mit kleinsten Fragmenten handelt. So wird der dynamischen Traktionsbehandlung gegenüber der offenen Reposition mit Gelenkrekonstruktion meist der Vortritt gelassen. Zentral imprimierte Fragmente können mit dieser Technik jedoch nicht adressiert werden.
In der vorliegenden, prospektiven Studie untersuchten wir, die von Hintringer und Ender 1986 an 4 Patienten publizierte Aufstopftechnik und K-Drahtosteosynthese, als alleinige Methode zur Therapie der zentralen Basisimpressionsfraktur an Phalangen.
Methodik: In der Zeit zwischen 2008 und 2013 wurden 15 Patienten mit dieser Technik versorgt.
13 Männer und 2 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 34,8 Jahren konnten im Schnitt nach 10 Monaten (2-36) nachuntersucht werden. Postoperativ erfolgte eine Schienenbehandlung im 1 Finger-Hohlhandgips für 6 Wochen mit nachfolgender Metallentfernung. Aktive und passive Physiotherapie wurde ab der 3. postop Woche durchgeführt. Kollateralbandverletzungen im PIP mit Instabilität waren bei 2 Patienten zusätzlich vorhanden. Diese wurden für weitere 4 Wochen mit einer scharniergeführten Orthese behandelt.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung waren alle Patienten schmerzfrei (VAS 0) und konnten ihrer bisherigen beruflichen Tätigkeit sowie den gewohnten Freizeitaktivitäten nachgehen.
Im Durchschnitt ließ sich ein Streckdefizit in dem ehemals verletzen Gelenk von lediglich 1,3° bei einer aktiven Flexion von 74,7° ermitteln. Vergleichend dazu stellte sich der Bewegungsumfang der Gegenseite mit Werten für die Extensions/Flexion von durchschnittlich 1,3-0-84,3° dar. Prozentual konnte somit eine Beweglichkeit von 87% für das verletzte Gelenk und von 91% für den gesamten Finger in Bezug auf die Beweglichkeit der Gegenseite erreicht werden.
Radiologisch zeigte sich ein schönes Remodelling der Gelenkfläche. Pin-assoziierte Komplikationen oder Wundheilungsstörungen konnten nicht gefunden werden. Eine Spongiosaplastik wurde in keinem Fall notwendig.
Somit stellt die alleinige intramedulläre Reposition mit K-Draht-Osteosynthese, auch bei dorsaler Subluxation des Gelenkes, ein geeignetes, kostengünstiges Verfahren zur Therapie der zentralen Impressionsfraktur dar. Längerfristig gute funktionelle Ergebnisse können, bei nur geringem operativem Aufwand und postoperativer Nachbehandlung, erreicht werden. Der weitere Langzeitverlauf bleibt abzuwarten und muss in weiteren Studien evaluiert werden.
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI11-483
doi: 10.3205/14dkou014, urn:nbn:de:0183-14dkou0148
Veröffentlicht: 13. Oktober 2014
© 2014 Schöll et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.