Vergleich der Reliabilität Röntgen- und CT-Bild-basierter Beurteilungskriterien sakraler Formvarianten in Hinblick auf eine sichere transversale SI-Verschraubung im 1. Sakralsegment

Apr 9, 2016

Vergleich der Reliabilität Röntgen- und CT-Bild-basierter Beurteilungskriterien sakraler Formvarianten in Hinblick auf eine sichere transversale SI-Verschraubung im 1. Sakralsegment

Mendel T, Wienke A, Ullrich B, Noser H, Goehre F, Hofmann GO, Radetzki F

Fragestellung: Die Formenvariabilität des Sakrums ist hinlänglich bekannt. Sie gilt als eine der Hauptursachen für die Fehlplatzierung von SI-Schrauben im 1. Sakralsegment. Insbesondere horizontale Schraubenlagen, die bei zentralen und bilateralen Sakrumfrakturen angestrebt werden, können bei der sog. Sakrumdysplasie erschwert bzw. unmöglich sein. Die genaue Analyse präoperativer Röntgen- und CT-Aufnahmen ist daher essentiell. In dieser Studie wird die eigens entwickelte Methode des lateralen Sakraldreiecks nach Mendel mit konkurrierenden Methoden nach Routt, Kim und Carlson hinsichtlich Ihrer Reliabilität in der praktischen Anwendung verglichen.

Methodik: Die o.g. Methoden basieren auf folgenden Grundlagen: Nach Routt werden Outlet-, Röntgenseitbild (RSB) und ein axialer CT-Schnitt auf 6 inkonstante Dysplasiemerkmale geprüft. Nach Kim wird das Sakrum im RSB anhand der S1-Körpererhebung über die Linea terminalis in eine normale, Übergangs- und dysplastische Form gegliedert. Carlson beurteilt im axialen CT-Schnitt den Abstand zwischen S1-Foramen und ventralem Kortex (geräumig: >12mm, intermediär: 7,5-12mm, dysplastisch: <7,5mm). Mendel ermittelt den Quotienten aus Deckplattenlänge und Vorderwandhöhe S1 (ratioT) im RSB. Der Wert >1,5 erlaubt die Implantation von 1 oder mehr SI-Schrauben. 3 unerfahrene (TP1, 2, 3) und 2 versierte Testpersonen (TP4, 5) untersuchten aus 80 Becken-CTs generierte röntgenähnliche Projektionen und CT-Schnitte entsprechend o.g. Methoden daraufhin, ob eine transversale Schraubeninsertion möglich ist. Die Reihenfolge der anonymisierten Fälle war zufällig. Mittels Kreuztabellenanalyse wurden für jede Einteilung und TP Sensitivität und Spezifität berechnet. Prüfgrößenmittelwerte wurden einteilungsbezogen gegenübergestellt. Der Einfluss klinischer Erfahrung (TP 1, 2, 3 versus TP 4, 5) wurde mit dem unabhängigen t-Test geprüft.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Die eigene Einteilung erreichte mit 86% die höchste mittlere Sensitivität bei allen TP. Für die anderen Methoden betrugen diese lediglich: Kim 67%, Carlson 74% und Routt 75%. Die Spezifität betrug bei Mendel Ø73%. Lediglich mit der Kim-Einteilung konnten mit 79% höhere Werte erreicht werden. Für beide statistische Gütekriterien erreichte die eigene Methode die konsistent niedrigste Streuung um ihren Mittelwert bei Standardabweichungen von 6,8% für Sensitivität und 10,8% die Spezifität. Der t-Test ergab keine signifikanten Unterschiede der Bewertungsergebnisse der 3 unerfahrenen verglichen mit denen der 2 versierten TP (Sensitivität p=0,09, Spezifität p=0,3).

Die Methode des lateralen Sakraldreiecks ermöglicht eine reproduzierbare Aussage über die Existenz des transversalen SI-Korridors im Segment S1. Sie behauptet sich gegenüber anderen Einteilungen als durchweg sichere und zugleich präzise Entscheidungshilfe für den Operateur, unabhängig von seiner Erfahrung. Es bedarf lediglich eines RSB. Im Gegensatz zu den Methoden von Carlson und Routt sind keine CT-Aufnahmen erforderlich.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI12-353

doi: 10.3205/14dkou016, urn:nbn:de:0183-14dkou0164

Veröffentlicht: 13. Oktober 2014
© 2014 Mendel et al.
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