Ist die zementaugmentierte Densverschraubung der konventionellen Versorgung bei osteoporotischen Frakturen Überlegen? – Ein biomechanischer Vergleich

Ist die zementaugmentierte Densverschraubung der konventionellen Versorgung bei osteoporotischen Frakturen Überlegen? – Ein biomechanischer Vergleich

Berger-Roscher N, Waschke A, Kalff R, Wilke HJ

Fragestellung: Bei geriatrischen Patienten konnte die Osteoporose des Dens axis als ein wesentlicher Prädiktor für die Ausbildung einer Pseudarthrose nach Verschraubung von Typ-2-Densfrakturen identifiziert werden. Es ist jedoch bekannt, dass die Osteoporose einen verminderten Schraubenhalt bedingt und eine suffiziente Kompression des Frakturspaltes problematisch ist. Wir stellen daher die Hypothese auf, dass bei Vorliegen von verminderter Knochenqualität die zementaugmentierte Verschraubung der herkömmlichen Verschraubung der Densfraktur überlegen ist.

Methodik: Insgesamt wurden 18 humane Axispräparate (Median 86,5 Jahre; 69–98 Jahre) verwendet. Alle Präparate wurden auf ihre Knochenmineraldichte (BMD) hin untersucht mittels quantitativer Computertomographie in derjenigen Region, in welcher die Position des Schraubenschaftes erwartet wurde. Es wurden zwei vergleichbare Gruppen gebildet, deren mittlere Knochendichte und Alter sich nicht signifikant unterscheiden (p = 0,31 bzw. p = 0,71; Shapiro-Wilk, t-Test) (Tabelle 1 [Tab. 1]). Bei allen Präparaten wurde durch einen scharfen Meißel eine Typ-2-Fraktur erzeugt und diese durch eine neu entwickelte kanülierte und im Bereich des Axiskörpers perforierte Spezialschraube verschraubt. Bei neun Präparaten erfolgte eine zusätzliche Zementaugmentation über die Schraube mit hochviskösem PMMA-Zement. Der Sitz der Schraube und die Zementverteilung wurden durch Computertomographie überprüft. Die Stabilität der Osteosynthese wurde per Versagenstest durch Applikation einer Querkraft senkrecht auf den Dens axis getestet. Zur präzisen Verformungsanalyse wurde ein externer Laser verwendet.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Bei der zementierten Verschraubung war die Maximalkraft bei Versagen 2,3 fach höher (p<0,001, Mann-Whitney) und die Steifigkeit war 1,7 fach größer (p=0,039, Mann-Whitney) (Tabelle 1 [Tab. 1]). Die Zementverteilung zeigte sich in allen Präparaten zirkumferent um den Schraubenschaft ohne Auswanderung in Richtung Frakturspalt oder Spinalkanal (Abbildung 1 [Abb. 1]). Zementleckagen wurden nicht beobachtet.

Die zementierten Präparate sind den unzementierten biomechanisch statistisch deutlich überlegen in Bezug auf die Maximalkraft sowie die Steifigkeit des gesamten Konstrukts. Auf Grund der deutlich erhöhten Rigidität der Osteosynthese durch die Zementaugmentation sollte eine verbesserte Frakturheilung bei Patienten mit Osteoporose und Densfrakturen erzielbar sein. Die Technik erscheint vielversprechend im Hinblick auf die Verringerung der Pseudarthroserate nach Verschraubung von osteoporotischen Typ-2-Densfrakturen des älteren Menschen.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocGR21-532

doi: 10.3205/14dkou553urn:nbn:de:0183-14dkou5531

Published: October 13, 2014
© 2014 Berger-Roscher et al.
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