Return-to-sports nach winkelstabiler Plattenosteosynthese des proximalen Humerus – eine retrospektive Studie an 65 Patienten mit einem Mindest-Follow-up von 24 Monaten

Return-to-sports nach winkelstabiler Plattenosteosynthese des proximalen Humerus – eine retrospektive Studie an 65 Patienten mit einem Mindest-Follow-up von 24 Monaten

Sandmann G, Attenberger J, Neumaier M, Martetschläger F, Siebenlist S, Biberthaler P

 

Fragestellung: Die Ansprüche an die Wiederherstellung der Funktion nach osteosynthetischer Versorgung proximaler Humerusfrakturen steigen stetig, und insbesondere die Frage nach der Rückkehr zum Sport nach derartigen Verletzungen ist für einen Großteil der Patienten von entscheidender Bedeutung. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Sportfähigkeit nach winkelstabiler Plattenosteosynthese proximaler Humerusfrakturen anhand etablierter klinischer Scores zu ermitteln. Ein Hauptaugenmerk wurde dabei auf die Sportfähigkeit (Frequenz, Intensität und Sportarten) gelegt.

Methodik: Im Zeitraum 01/ 2007 bis 12/ 2009 wurden in unserer Klinik 120 proximale Humerusfrakturen mittels winkelstabiler Platte versorgt und 83 Patienten erfüllten die Einschlusskriterien der Studie. Von diesen 83 Patienten konnten 65 Patienten (mittleres Alter 52,6 Jahre, 36 Frauen und 29 Männer, Mindest-Follow-up: 24 Monate) im Rahmen einer retrospektiven Untersuchung mittels Fragebogen zu ihrer Schulterfunktion und ihrer Sportfähigkeit evaluiert werden. Erhoben wurden dabei der Munich Shoulder Questionnaire (MSQ), aus dem der Constant Score, der SPADI und der Dash Score abgeleitet werden können, sowie ein spezieller Sportaktivitätsfragebogen zur Evaluation der Sportfähigkeit.

Ergebnisse: Der mittlere MSQ lag bei 85, ± 13,7 Punkten, im Constant Score konnten 75,4 ± 13,7 Punkte erreicht werden. Auf der Basis der Bewertungsskala von Habermeyer erreichten 4 Patienten ein exzellentes Ergebnis, 28 Patienten ein gutes Ergebnis und 19 Patienten ein durchschnittliches Ergebnis mit einem Constant- Score zwischen 70 und 79. 14 Patienten wiesen im Constant Score ein schlechtes Ergebnis auf und hier fanden sich insbesondere die Patienten mit 4-Part-Frakturen wieder. Der SPADI Score wurde aus dem MSQ berechnet und lag bei 88 ± 16,4, der DASH belief sich im Mittel auf 10,2 ± 14,8. Von den 65 Studienpatienten waren vor und nach der Verletzung 61 Patienten sportlich aktiv. Die Trainingseinheiten reduzierten sich dabei von 3 ± 1,8 auf 2,8 ± 1,9, was statistisch nicht signifikant war (p=0,56). Die Sportarten reduzierten sich von prä-operativ 26 ausgeführten Disziplinen auf 23. Davon waren vor allem die Schulter- belastenden Sportarten betroffen, wenngleich der Rückgang statistisch nicht signifikant war.

Schlussfolgerung: Die vorliegende Arbeit zeigt, dass Sport nach osteosynthetischer Versorgung proximaler Humerusfrakturen mittels winkelstabiler Platte nach wie vor möglich ist. Die Daten zeigen die Abhängigkeit des klinischen Outcomes von der Frakturform, aber auch nach 4-Part Frakturen sind Überkopfsportarten in statistisch nicht signifikant unterschiedlicher Frequenz und Intensität wie prä-operativ möglich.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI17-981

doi: 10.3205/14dkou069, urn:nbn:de:0183-14dkou0691

Published: October 13, 2014
© 2014 Sandmann et al.
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Primäre Frakturprothese oder Osteosynthese nach komplexen 3- und 4-Segmentfrakturen am proximalen Humerus bei älteren Patienten? Primäre Inverse Frakturprothese vs. Osteosynthese mittels Humerusblock

Primäre Frakturprothese oder Osteosynthese nach komplexen 3- und 4-Segmentfrakturen am proximalen Humerus bei älteren Patienten? Primäre Inverse Frakturprothese vs. Osteosynthese mittels Humerusblock

Ortmaier R, Mattiassich G, Resch H

 

Fragestellung: Proximale Humerusfrakturen zählen zu den am siebthäufigsten auftretenden Frakturen bei Erwachsenen und am dritthäufigsten bei Patienten über 65 Jahre. Am öftesten sind Frauen mit Osteoporose über 70 Jahre betroffen.

Aufgrund der demographischen Entwicklung wird sich in den nächsten 30 Jahren die Inzidenz verdreifachen. Die operativen Behandlungsmöglichkeiten für 3- und 4-Segmentfrakturen umfassen die Osteosynthese und die prothetische Versorgung. In der osteosynthetischen Versorgung haben sich über die letzten Jahre winkelstabile Plattensysteme durchgesetzt. Berichte über Komplikationsraten bis nahezu 40% und Revisionsraten bis 25% führten zu Empfehlungen einer inversen Prothese für den alten Patienten bei komplexen 3- und 4-Segmentfrakturen. Wir führten eine Studie durch, die den Humerusblock (HB) mit der inversen Prothese (RSA) zur Behandlung von komplexen 3- und 4-Segmentfrakturen bei Patienten über 65 Jahren verglich. Unsere Hypothese war, dass der HB zu ähnlichen Resultaten wie die RSA führt.

Methodik: In einem Untersuchungszeitraum von Jänner 2008 bis Dezember 2011 wurden 45 Patienten mit proximalen Humerusfrakturen mit einer primären inversen Frakturprothese und 238 mittels Humerusblock versorgt. Gemäß der Einschlusskriterien wurden 25 Patienten nach primärer RSA eingeschlossen. Demographische Daten dieser 25 Patienten wurden benutzt um eine matched-pair Analyse mit 25 Patienten nach HB Versorgung zu erstellen. Matching Kriterien waren Alter (+/- 3 Jahre), Geschlecht, Händigkeit und Frakturtyp gemäß Neer.

Gruppe 1 (RSA) bestand aus 25 Patienten (22 Frauen, 3 Männer) mit einem Durchschnittsalter von 73 Jahren. Gruppe 2 (HB) bestand aus 25 Patienten (22 Frauen, 3 Männer) mit einem Durchschnittsalter von 73 Jahren.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Der mittlere CMS verbesserte sich signifikant besser in Gruppe 2 (HB) (47.4 vs 64.4, p<0.01). Die Kraft unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen (5.12 vs 5.32; p=0.85). Gruppe 2 (HB) wies signifikant höhere CMS Werte für Schmerz (9 vs 13.2; p<0.01), Mobilität (20.6 vs 29.6; p<0.01) und Aktivität (12.8 vs 16.2; p<0.01) auf. Die mittlere Abduktion (97,6° vs 126,8°; p<0.01), Anteversion (103.2° vs 139.6°; p<0.01) and Außenrotation (16° vs 39.6°; p<0.01) war signifikant schlechter in Gruppe 1 (RSA).

The VAS pain score war signifikant niedriger in Gruppe 2 (HB) verglichen mit Gruppe 1 (RSA) (0.92 vs 3.12; p<0.01).

Die Behandlung von komplexen 3- und 4-Segmentfrakturen bei alten Patienten führt zu moderaten funktionellen Ergbenissen sowohl nach osteosynthetischer, als auch prothetischer Versorgung. Vergleichend führte die Behandlung mittels HB zu funktionell besseren Ergebnissen bei gleicher Kompliaktionsrate.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI17-1302

doi: 10.3205/14dkou068, urn:nbn:de:0183-14dkou0681

Published: October 13, 2014
© 2014 Ortmaier et al.
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10 Jahre winkelstabile Plattenosteosynthese am proximalen Humerus: Osteoporose ist ein Risikofaktor für Revisionsoperation

10 Jahre winkelstabile Plattenosteosynthese am proximalen Humerus: Osteoporose ist ein Risikofaktor für Revisionsoperation

Haasters F, Kindsvater J, Prall WC, Biermann N, Siebenbürger G, Mutschler W, Ockert B

Fragestellung: Zur Behandlung der dislozierten proximalen Humerusfraktur stellt die winkelstabile Plattenosteosynthese ein Standardverfahren dar. Eine häufige Begleitmorbidität älterer Patienten mit proximaler Humerusfraktur ist die Osteoporose. In früheren Arbeiten konnten wir einen Einfluss der Osteoporose auf den Frakturtyp nachweisen. Unklar ist jedoch die Auswirkung der Osteoporose auf die Häufigkeit und Art von Revisionsoperationen. Ziel dieser Studie war es daher, Osteoporose als Risikofaktor für Revisionsoperationen nach winkelstabiler Plattenosteosynthese zu evaluieren.

Methodik: Über 10 Jahre wurden Frauen >50 und Männer >60 Jahre, die aufgrund einer proximalen Humerusfraktur mittels winkelstabiler Plattenosteosynthese versorgt worden waren prospektiv erfasst und über 2 Jahre nachuntersucht. Es wurden 190 Patienten in die Studie eingeschlossen. Alle Patienten erhielten gemäß der DVO Leitlinien eine Knochendichtemessung (DXA) während des stationären Aufenthaltes. Erfasst wurden sekundäre Dislokation, die revisionspflichtigen Komplikationen Cut-out, Implantatversagen, sowie die Knochendichte mittels T-Wert und Frakturtyp nach AO Klassifikation.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Bei 66,8% der Patienten lag gemäß WHO Definition eine Osteoporose vor. Bei Patienten mit Osteoporose trat eine sekundäre Dislokation signifikant (p<0,05) häufiger auf als bei knochenstoffwechselgesunden Patienten (22,0% vs. 7,9%). Signifikant (p<0,05) häufiger dislozierten instabile 2-Fragmentfrakturen vom Typ AO11-A3 (33,3% vs. 18,2%), nicht impaktierte, varisch dislozierte 3-Fragment Frakturen vom Typ AO11-B2 (27,3% vs. 10,0%), stark disloszierte 4-Fragment Frakturen vom Typ AO11-C2 (25,9% vs. 11,1%) sowie Luxationsfrakturen vom Typ AO11-B3 und C3. Diese Komplikationen waren beim Patienten mit Osteoporose signifikant (p<0,05) häufiger revisionspflichtig als bei knochenstoffwechselgesunden Patienten (18,9% vs. 4,8%). Während bei Knochenstoffwechsel gesunden Patienten in 66,7% eine Teil-Materialentfernung und in 33,3% eine erneute Osteosynthese durchgeführt wurde, erhielten Patienten mit Osteoporose in 26,1% einen Verfahrenswechsel auf eine Endoprothese, in 43,5% eine Re-Osteosynthese und in 30,4% eine Materialentfernung.

Zusammenfassend ließ sich nachweisen, dass für Patienten mit Osteoporose ein signifikant erhöhtes Risiko besteht, nach winkelstabiler Plattenosteosynthese des proximalen Humerus eine sekundäre Dislokation und revisionspflichtige Komplikation zu erleiden. Nicht impaktierte, varisch und stark dislozierte Frakturformen sind beim Patienten mit Osteoporose nicht nur häufiger, sondern auch mit einer erhöhten Rate an sekundärer Dislokation behaftet. Als Revisionsoperation werden beim Patienten mit Osteoporose im Gegensatz zum knochenstoffwechselgesunden Patienten häufiger eine Endoprothesenimplantation oder Revsionsosteosynthese notwendig.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI17-1306

doi: 10.3205/14dkou067, urn:nbn:de:0183-14dkou0671

Published: October 13, 2014

© 2014 Haasters et al.
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Versagensanalyse bei standardisiertem Therapiekonzept proximaler Humerusfrakturen

Versagensanalyse bei standardisiertem Therapiekonzept proximaler Humerusfrakturen

Katthagen JC, Huber M, Grabowski S, Ellwein A, Voigt C, Jensen G, Lill H

 

Fragestellung: Die Behandlung proximaler Humerusfrakturen wird bei Reoperationsraten von bis zu 40% und Versagensquoten von bis zu 25% bei der Nagel- und Plattenosteosynthese sowie aktuell zunehmendem Trend hin zur konservativen Therapie kontrovers diskutiert. Klinische Ergebnisse in der Literatur beziehen sich meist auf einzelne Frakturtypen oder Therapieformen.

Ziel dieser Studie war es die Versagensrate und die Häufigkeit von Folgeoperationen innerhalb des standardisierten Versorgungskonzepts eines spezialisierten Trauma-Zentrums zu evaluieren, mit der Hypothese das bei standardisiertem Vorgehen deutlich geringere Versagens- und Revisionsraten, als zumeist beschrieben, zu beobachten sind.

Methodik: 423 von 566 (75%) Patienten (312 weiblich) im durchschnittlichen Alter von 68,3±13,9 Jahren mit Primärbehandlung einer proximalen Humerusfraktur zwischen Januar 2009 und Juni 2012 konnten in die retrospektive Studie eingeschlossen werden. Neben der Auswertung der patientenbezogenen Daten und Evaluation der durchgeführten Therapie wurden alle vorhandenen Röntgen- und CT-Bilder entsprechend vordefinierter Kriterien zur Beurteilung der Fraktur, der stattgehabten Therapie und eines möglichen Therapieversagens ausgewertet. Die Patienten wurden zudem telefonisch zu seit der Primärbehandlung stattgehabten Therapien, mit besonderem Fokus auf operative Eingriffe, befragt. Die telefonische Befragung erfolgte durchschnittlich 23,5 ±12,9 Monate nach der Primärbehandlung.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Bei 94 Patienten lagen isolierte Tuberkulafrakturen (n=36) oder subcapitale 2-Segmentfrakturen vor. In 191 Fällen handelte es sich um 3-Segment, in 130 Fällen um 4-Segment-Frakturen. Bei 78 Patienten lagen komplexere Frakturformen vor (Head-split-, Trümmer-, Luxationsfrakturen). Die Therapie erfolgte nach Vorgaben eines standardisierten Therapiekonzepts. 96 Frakturen wurden bei geringer Dislokation konservativ behandelt. Bei 44 Patienten erfolgte eine Nagel-, bei 211 Patienten eine Plattenosteosynthese. In 29 Fällen wurde eine anatomische Fraktur-TEP, bei 42 Patienten eine inverse TEP implantiert.

Insgesamt erfolgte in 94 Fällen (22,2%) ein operativer Eingriff nach der Primärbehandlung. Bei 48 Patienten war dies eine Materialentfernung (meist arthroskopisch, teilweise mit Arthrolyse und Therapie von Begleitpathologien).

Bei 39 Patienten (9,2%) kam es zu einem Therapieversagen mit Notwendigkeit des Therapiewechsels. Das Versagen trat meist durch Varusdislokation bei fehlender medialer Abstützung, Dislokation und Schmerz bei konservativer Therapie oder Fehleinschätzung der Fraktursituation ein, selten bei avaskulärer Nekrose oder intraoperativen Technikfehlern. Die Versagensrate nahm im Verlauf des Beobachtungszeitraums kontinuierlich ab.

Bei standardisierter Therapie proximaler Humerusfrakturen an einem spezialisierten Zentrum können deutlich geringere Versagens- und Revisionsraten beobachtet werden, als in der Literatur beschrieben.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI17-1265

doi: 10.3205/14dkou066, urn:nbn:de:0183-14dkou0663
Published: October 13, 2014

© 2014 Katthagen et al.
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Ist die Rate sekundärer Dislokationen und Kopfnekrosen nach winkelstabiler Plattenosteosynthese dislozierter proximaler Humerusfrakturen niedriger, wenn die Versorgung innerhalb der ersten 48 h nach dem Unfall durchgeführt wurde?

Ist die Rate sekundärer Dislokationen und Kopfnekrosen nach winkelstabiler Plattenosteosynthese dislozierter proximaler Humerusfrakturen niedriger, wenn die Versorgung innerhalb der ersten 48 h nach dem Unfall durchgeführt wurde?

Siebenbürger G, Haasters F, Mutschler W, Ockert B

Fragestellung: Die beobachtete Häufigkeit sekundärer Dislokationen und Humeruskopfnekrosen nach winkelstabiler Plattenosteosynthese beträgt je nach Patientenalter und Frakturtyp bis zu 25%. Unklar ist, ob die Rate dieser Komplikationen geringer ist, wenn eine Versorgung frühzeitig (<48h) durchgeführt wird.

Methodik: Zwischen 02/2002 und 11/2010 wurden 497 Patienten mit dislozierter proximaler Humerusfraktur (Neer-Kriterien) mittels winkelstabiler Plattenosteosynthese versorgt. Die standardisierte Nachuntersuchung umfasste Röntgenaufnahmen (3, 6 und 12 Monate) sowie eine klinische Untersuchung der Schulter nach 3, 6, 12 Monaten und 4–5 Jahren. Von n=329 Patienten (225 Frauen, 68,4%, 104 Männer, 31,6%; Mittleres Alter: 64,9±14,5 Jahre) konnten bis 11/2013 Nachuntersuchungen (mittlerer Nachuntersuchungszeitraum 4,5±1,8 Jahre, Follow-up: 66,2%, min. Follow-up: 6 Monate) ausgewertet werden.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Das mittlere Zeitintervall Δ Trauma – Operation (winkelstabile Plattenosteosynthese) betrug 3,2 Tage (95% CI: 2,7–3,6). Im Durchschnitt erfolgte die operative Versorgung einer 2-Fragment Fraktur nach 3,3 Tagen, einer 3-Fragment Fraktur nach 3,3 Tagen, einer 4-Fragment Fraktur nach 2,9 Tagen und einer Headsplit-Fraktur nach 2,2 Tagen (p=0,406, Kruskal-Wallis-Test). Eine sekundäre Dislokation wurde in 12,8% (n=42) und eine Humeruskopfnekrose in 6,1% (n=20) beobachtet. Das mittlere Zeitintervall Δ Trauma – Operation betrug bei Fällen mit postoperativer Komplikation 2,5 Tage (95% CI: 1,8-3,2) versus ohne Komplikation 3,2 Tage (95% CI: 2,8–3,8, p=0,27, Mann-Whitney-Test) (Abbildung 1 [Abb. 1]). Das Risikoverhältnis OR (Odds Ratio) für das Auftreten einer sekundären Dislokation betrug für Δ Trauma – Operation

Die beobachtete Rate sekundärer Dislokationen und Kopfnekrosen nach winkelstabiler Plattenosteosynthese dislozierter proximaler Humerusfrakturen ist nicht geringer, wenn die Versorgung innerhalb der ersten 48h durchgeführt wurde. Eine Versorgung im Zeitintervall 3.–5. Tag hat das niedrigste Risikoverhältnis, dagegen ist das Risiko nach dem 5. Tag um das 4-fache erhöht. Die Gründe für eine verzögerte Versorgung sind multifaktoriell, die Komplexität der Fraktur ist unseren Ergebnissen zufolge nicht ursächlich. Demnach sollte eine winkelstabile Plattenosteosynthese bei dislozierter proximaler Humerusfraktur innerhalb der ersten 5 Tage nach dem Unfallereignis durchgeführt werden, bzw. bei einer Verzögerung Therapiealternativen (z.B. Frakturprothese) in Erwägung gezogen werden.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI17-1114

doi: 10.3205/14dkou065, urn:nbn:de:0183-14dkou0651
Published: October 13, 2014

© 2014 Siebenbürger et al.
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Inverse Schulterprothese bei proximaler Oberarmfraktur

Inverse Schulterprothese bei proximaler Oberarmfraktur

Imrecke J, Katthagen JC, Ellwein A, Voigt C, Lill H

Fragestellung: Bei älteren Patienten mit komplexer Frakturmorphologie sowie häufig osteoporotischer Knochenqualität besteht bei fehlender Rekonstruierbarkeit der proximalen Humerusfraktur die Indikation zur endoprothetischen Versorgung mittels inverser Prothese. Insgesamt stehen in der aktuellen Fachliteratur zur inversen Prothesenversorgung bei proximaler Humerusfraktur Daten mit kleinen Patientenfallzahlen und kurzen Beobachtungszeiträume zur Verfügung. Das Ziel der Studie war die Erfassung aller Patienten mit proximaler Oberarmfraktur und Frakturversorgung mittels inverser Schulterprothese. Evaluiert wurden die Indikation, Komplikationen, das klinische Funktionsergebnis und die Patientenzufriedenheit nach Implantation der inversen Schulterprothese, sowie eine neue Refixationstechnik der Tuberkula zur Verbesserung der klinischen Funktion.

Methodik: Vom 01.01.2010 bis 31.12.2013 wurde bei 149 Patienten nach Oberarmkopffraktur eine inverse Schulter-TEP implantiert. 2 Patienten waren zwischenzeitlich verstorben, 26 Patienten fortgeschritten demenzkrank, so dass 121 Patienten zur NU zur Verfügung standen. Die NU enthielt klin. + radiolog. Untersuchung, Scores mit CS, DASH, SSV, VAS.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnten 50/121 Patienten (41,3%) nachuntersucht werden. Darunter sind 40 Frauen und 10 Männer mit einem Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Prothesenimplantation von im Mittel 76 Jahren (53-95 Jahre). Es wurden 34 primäre und 16 sekundäre inverse Prothesen implantiert. In 18 Fällen erfolgte eine Tuberkularefixation. Das Prothesen Follow-up beträgt im Mittel 528,7 Tage. Im Untersuchungszeitraum erfolgten 9 Wechsel-Operationen bei 5 Patienten. Im Gesamtkollektiv findet sich eine Komplikationsrate von 12% mit 19 operativen Revisionen bei Hämatom (n=8), Instabilität (n=5), Infekt (n=2), Implantatversagen (n=1), glenoidales Notching (n=1), Fragmentdislokation Tubercula (n=1), periprothetische Fraktur (n=1). Die klinische Funktion zum NU-Zeitpunkt ergibt im Mittel im CS 44,5 Pkt (6-82 Pkt), Abduktion 96,9° (30-180°), Anteversion 105° (25-180°), AR 6,7° (0-30°), VAS 3,4 (0-8) und DASH 85 Pkt (31-142 Pkt.). Es zeigt sich kein signifikanter Einfluss der Tuberkularefixation auf die klinische Funktion bei überwiegender Tuberkularesorption. Die sekundäre Prothetik ist mit vergleichbaren klinischen Ergebnissen bei vermehrter Komplikations- und Revisionsrate gegenüber der primären Endoprothetik vertreten. Insgesamt ist die inverse Frakturprothetik eine gute Option bei nicht-rekonstruierbaren Frakturen bei älteren Patienten und liefert befriedigende Ergebnisse mit guter Schmerzreduktion.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI17-910

doi: 10.3205/14dkou064, urn:nbn:de:0183-14dkou0648
Published: October 13, 2014

© 2014 Imrecke et al.
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