DIS – dynamische intraligamentäre Stabilisierung der akuten traumatischen vorderen Kreuzbandruptur bei Kindern

DIS – dynamische intraligamentäre Stabilisierung der akuten traumatischen vorderen Kreuzbandruptur bei Kindern

Kolp D, Ziebarth K, Kohl S

Fragestellung: Die Therapie der traumatischen vorderen Kreuzbandruptur bei Kindern wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Die Anwendung einer transepiphysealen Technik bei offenen Wachstumsfugen birgt das Risiko einer Wachstumsstörung bei Verletzung der Epiphysenfuge. Wir möchten die ersten Ergebnisse nach intraligamentärer Stabilisierung einer akuten vorderen Kreuzbandruptur ohne die Verwendung eines Sehnentransplantates von 11 jungen Patienten mit akuter traumatischer vorderer Kreuzbandruptur präsentieren.

Methodik: Die neue VKB Rekonstruktionstechnik beruht auf dem Selbstheilungspotential des vorderen Kreuzbandes. Arthroskopisch wird das rupturierte Kreuzband durch einen Polyethylenfaden, der im Femur verankert wird, geschient. Zur Unterstützung der biologischen Heilung wird eine Mikrofrakturierung der femoralen Insertionsstelle durchgeführt.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Zum Follow-up-Zeitpunkt 12 Monate postoperativ zeigten alle Patienten stabile Kniegelenksfunktion bei einem durchschnittlichem Bewegungsausmass von 0-0-150 Grad und vollständig wiedererlangter Sportfähigkeit am Ausgangslevel. Wir konnten keine Beinlängendifferenz oder Beinachsendeviation nachweisen.

Die arthroskopische dynamische intraligamentäre Stabilisierung der akuten vorderen Kreuzbandruptur bei Kindern ermöglicht den Selbstheilungsprozess des VKB. Die vorläufigen Resultate sind sehr vielversprechend.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI46-1533

doi: 10.3205/14dkou316urn:nbn:de:0183-14dkou3161

Published: October 13, 2014
© 2014 Kolp et al.
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Ergebnisse aus der Versorgung von Unterschenkelschaftfrakturen bei Kindern

Ergebnisse aus der Versorgung von Unterschenkelschaftfrakturen bei Kindern

Pressmar J, Gebhard F

Fragestellung: Unterschenkelschaftfrakturen stellen die zweithäufigste Verletzung der unteren Extremität im Kindesalter dar. Die Frakturmorphologie, d.h. die Stabilität der Fraktur sowie die Dislokation entscheiden über das therapeutische Vorgehen. Unterschenkelfrakturen stellen eine Domäne der operativen Therapie dar, wohingegen isolierte Frakturen von Tibia oder Fibula meist konservativ therapiert werden.

Bei, im Vergleich zu Frakturen der oberen Extremität deutlich längeren Konsolidierungszeiten und größerer Relevanz von Fehlstellungen, ist die Entscheidung für das optimale Therapieverfahren von Bedeutung.

Dennoch gibt es weitere, bisher nicht betrachtete Faktoren, die die Entscheidung möglicherweise beeinflussen.

Daher sollen in unserem Patientenkollektiv die operative und konservative Therapie von Unterschenkel- sowie isolierten Tibia- und Fibulafrakturen verglichen werden.

Methodik: Eine retrospektive Datenerhebung aus den Jahren 2006 bis 2013 erfolgte durch Auswahl aller Unterschenkelfrakturen bei Kindern unter 16 Jahren aus dem PACS (Pictures Archiving and Communication System). Die Einteilung der Frakturen erfolgt gemäß der AO Pediatric Comprehensive Classification of Long-Bone Fractures. Die statistischen Unterschiede zwischen mehreren Gruppen wurden mittels One-way ANOVA ermittelt und bei p<0,05 als statistisch signifikant betrachtet.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Insgesamt wurden 96 Patienten, 30 weiblich und 66 männlich in die Auswertung eingeschlossen. Das mittlere Alter betrug 7,2 Jahre (1-16 Jahre). Darunter waren 60 isolierte Frakturen der Tibia, 2 der Fibula und 35 Unterschenkelfrakturen. Eine konservative Therapie erfolgte in 70%, wobei 4 Patienten davon in Narkose reponiert und nicht stabilisiert wurden. Die operative Therapie wurde zu 29% und ausschließlich mittels ECMES (Embrochage Centro-Medullaire Elastique Stable) durchgeführt. Hiervon musste bei 2 Patienten nach primär konservativer Therapie konvertiert werden. 2 Patienten mit Mehrfachverletzungen wurden von der weiteren Auswertung ausgeschlossen. Komplikationen traten in der operativen wie konservativen Behandlungsgruppe gleich häufig auf. Das Patientenkollektiv wurde weiterhin hinsichtlich der Anzahl an Ambulanzbesuchen und radiologischen Kontrollen analysiert. Dabei ergaben sich bei Unterschenkelfrakturen interessanterweise keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit von Röntgenkontrollen. Zu bedenken ist hierbei, dass in der operativen Gruppe durchschnittlich eine intraoperative Röntgenzeit von 1,4 Minuten zu addieren ist. Ambulanzbesuche waren jedoch bei den operierten Patienten im Intervall bis 6 Wochen signifikant seltener.

Zusammenfassend stellte sich heraus, dass bei einem operativen Vorgehen die Anzahl der Ambulanzbesuche reduziert wird, Erstaunlicherweise ist durch ein operatives Vorgehen, die Anzahl der Röntgenuntersuchung nicht reduziert worden.

Weitere Subgruppenanalysen sind erforderlich, um hieraus möglich Konsequenzen auf die Therapie von Unterschenkelschaftfrakturen bei Kinder abzuleiten.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI46-1420

doi: 10.3205/14dkou315urn:nbn:de:0183-14dkou3158

Published: October 13, 2014
© 2014 Pressmar et al.
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Femurschaftfraktur bei Kindern mit einem Körpergewicht >49 kg

Behandlung der Femurschaftfraktur bei Kindern mit einem Körpergewicht >49 kg. Eine multizentrische Erhebung der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe der Sektion Kindertraumatologie der DGU und der DGKCH

Rapp M

 

Fragestellung: Die Behandlung der Femurschaftfraktur ist bei schwergewichtigen Kindern und Jugendlichen mit hohen Komplikationsraten der im Wachstumsalter eingesetzten Osteosyntheseverfahren vergesellschaftet. Zur Erhebung des status quo wurden daher OP-Verfahren und ihre Komplikationen bei älteren Kindern und Jugendlichen mit einem Körpergewicht >49 kg multizentrisch erfasst.

Methodik: 18 Kliniken der Sektion Kindertraumatologie (KCH, UCH, KCH/UCH) nahmen an der Erhebung über die alltägliche Behandlung der Femurschaftfraktur bei Kindern zwischen dem 10. und 17. Geburtstag mit einem Körpergewicht von mehr als 49kg im Zeitraum von 01/2008 bis 12/2012 teil. Analysiert wurden die kurz- und langfristigen Komplikationen in Relation zum Gewicht und Alter der Kinder sowie zum gewählten Therapieverfahren. Kinder mit Erkrankungen des Knochenstoffwechsels oder pathologischen Frakturen wurden ausgeschlossen.

Ergebnisse: Im Erhebungszeitraum erfüllten 53 Kinder [m:w=2:1; mittleres Alter: 13 ½ Jahre; mittleres Gewicht: 60 kg (50-95 kg)] mit 54 Frakturen die Einschlusskriterien (0 bis 9 Kinder/Klinik). Meist handelte es sich um Schaftfrakturen im mittleren Bereich [AO-PCCF: 23x 32-D/4.1, 7x 32-D4.2, 8x 32-D5.1, 16x 32-D5.2; LiLa: 31x 3.2.s.3.2., 23x 3.2.s.4.2.]; elf Kinder erlitten ein Polytrauma. Perioperative Komplikationen traten bei sechs von 13 mit der alleinigen 2-ESIN-Osteosynthese behandelten Frakturen auf: viermal mindestens ein Verfahrenswechsel und zweimal Kürzungen der Nägel. Bei drei Kindern mit zusätzlichen End Caps traten keine Komplikationen auf, ebenso musste nur bei einem von elf Kindern mit drei ESIN auf einen Fixateur externe gewechselt werden. Fünf Frakturen wurden mit individuellen Kombinationsosteosynthesen versorgt. Elfmal wurde primär ein Fixateur externe angelegt, wobei im Verlauf zehn Verfahrenswechsel und bis zu vier Re-Operationen durchgeführt wurden. Bei fünf primären Plattenosteosynthesen traten zwei Refrakturen und eine tiefe Wundinfektion bei liegendem Osteosynthesematerial auf. Hingegen ergaben sich bei zwei primär eingebrachten Expert Adolescent Lateral Femur Nails (ALFN) bei bereits geschlossenen Fugen keine Komplikationen. Dreimal wurde sekundär bei Dislokation auf einen ALFN gewechselt, dabei traten im Verlauf eine Pseudarthrose und eine Infektion des Osteosynthesematerials auf. Bei sieben Jugendlichen mit (fast) geschlossenen Fugen wurde primär oder sekundär ein Erwachsenen-Femurnagel verwendet. Bei Patienten mit mehreren Revisionseingriffen traten in der Nachbeobachtung Probleme wie Beinlängendifferenzen bis 1,5 cm oder Bewegungseinschränkungen bis zu 20° im Seitvergleich auf.

Schlussfolgerung: Derzeit existiert für diese Patientengruppe kein einheitliches alters- oder gewichtsbezogenes Therapiekonzept. Die hohe Komplikationsrate der alleinigen 2-ESIN-Osteosynthese kann in dieser Alters- und Gewichtsgruppe durch die Modifikation eines dritten Nagels reduziert werden. Eine komplikationsfreie Therapieform garantiert vermutlich auch der ALFN nicht.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI46-1237

doi: 10.3205/14dkou313urn:nbn:de:0183-14dkou3131

Published: October 13, 2014
© 2014 Rapp.
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Azetabulumfrakturen bei Kindern und Jugendlichen

Azetabulumfrakturen bei Kindern und Jugendlichen

Kruppa C, Dudda M, Schildhauer TA, Sietsema D, Khoriaty J, Jones C

 

Fragestellung: Azetabulumfrakturen bei Kindern und Jugendlichen sind seltene Verletzungen. Aufgrund der azetabulären Wachstumsfuge (triradiärer Knorpel) können Frakturen in diesem Bereich zu Wachstumsstörungen mit Fugenverschluss führen. Ziel der Studie war die Analyse von Azetabulumfrakturen bei Kindern und Jugendlichen bezüglich ihres Unfallmechanismus, Frakturtyps, Begleitverletzung und initialen Behandlung sowie Evalutation des klinischen und radiologischen Verlaufes.

Methodik: Zwischen 2002 und 2011 wurden 32 Patienten mit 37 Azetabulumfrakturen retrospektiv analysiert. Die Frakturen wurden nach AO-Klassifikation als 9 A1, 21 A3, 3 B1, 3B2 und 1 B3 eingeteilt. 12 (32%) Frakturen waren isoliert (Gruppe 1), 25 (68%) Frakturen kombiniert mit einer Beckenfraktur (Gruppe 2). Bei 12 (32%) der Frakturen lag eine Beteiligung der azetabulären Wachstumsfuge vor. Unfallmechanismus, Begleitverletzungen, Injury Severity Score (ISS), Länge des Krankenhausaufenthalts und initiale Behandlung der Azetabulumfraktur wurden dokumentiert und Unterschiede zwischen Gruppe 1 und 2 ausgewertet. 18 Kinder mit 22 Frakturen wurden im Follow up (>6 Monate)eingeschlossen. Pseudarthrose-, Beinlängendifferenz, morphologische Hüftveränderung, Schmerz und Hüftgelenksbeweglichkeit wurden ausgewertet.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Das Durchschnittsalter betrug 12,8 Jahre (4-16). Der häufigste Frakturtyp in Gruppe 1 war in 75% (9) die Hinterwandfraktur (A1), 6 waren Folge einer Hüftluxation. Die Mehrheit der Patienten in Gruppe 2 hatte eine Vorderwand-/Vorderpfeilerfraktur (A3). Frakturen der Gruppe 1 waren in 50% verursacht durch Stürze und Sportunfälle; Frakturen der Gruppe 2 in 88% durch Verkehrsunfälle. Gruppe 2 hatte einen höheren Anteil an Begleitverletzungen, einen höheren ISS (p=0.001) und einen längeren Krankenhausaufenthalt (p=0.041). Insgesamt wurden 9 (24%) Frakturen operativ behandelt, vermehrt die isolierten Azetabulumfrakturen (p=0.001); bei 5 (56%) der operativ behandelten Frakturen lag eine Hüftluxation vor. Follow up betrug im Mittel 33,3 Monate (6-84). Alle Frakturen heilten durchschnittlich nach 11 Wochen, es kam zu keiner Pseudarthrose. Bei 3 (14%) Kindern lag eine Komplikation als Folge einer Wachstumsfugenverletzung vor, zwei hatten einen Beinlängendifferenz und zwei eine Hüftdysplasie. Ein Kind benötigte eine operative Korrektur einer dysplastischen Verformung der Hüfte. 96% der Kinder hatten ein vollständiges Hüftgelenksbewegungsausmaß und keines gab Hüftgelenkschmerzen an. 8 (36%) Kinder hatten Schmerzen im unteren Rücken/SI-Gelenken, all jene hatten eine begleitende Beckenfraktur.

Azetabulumfrakturen, welche kombiniert mit einer Beckenfraktur und in der Regel durch ein Hochrasanztrauma hervorgerufen sind, unterscheiden sich von isolierten Azetabulumfrakturen, welche in der Regel durch Stürze und Sportunfälle versursacht werden. Letztere werden häufiger operativ behandelt. Aufgrund von Wachstumsstörungen nach Verletzung des triradiären Knorpels werden Beinlängendifferenzen und Hüftdysplasien beobachtet.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI46-425

doi: 10.3205/14dkou312urn:nbn:de:0183-14dkou3125

Published: October 13, 2014
© 2014 Kruppa et al.
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Das Beckentrauma im Kindesalter – Epidemiologie, Versorgungsstrategie und Outcome

Das Beckentrauma im Kindesalter – Epidemiologie, Versorgungsstrategie und Outcome

Zwingmann J, Dovi-Akue D, Bayer J, Südkamp NP, Strohm P, Schmal H

 

Fragestellung: Das kindliche Skelett ist durch Wachstumspotential und eine hohe Elastizität gekennzeichnet. Die Konsequenzen hinsichtlich Epidemiologie, Versorgungsstrategie und Outcome von Beckenfrakturen sind Gegenstand der Untersuchung.

Methodik: Grundlage der Analyse waren die prospektiven Daten der AG Becken I (1991-93), II (1998-00) und III (2004-12) der DGU, wobei ein Vergleich der bis 14 Jahre alten Patienten (‚Kinder’) mit den über 14 Jahre alten Patienten (‚Erwachsene’) durchgeführt wurde.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Insgesamt wurden Daten von 208 Kindern und 13317 Erwachsenen ausgewertet, wobei der Anteil der unter 15-jährigen von 3,31% in der AGI auf 1,13% in der AGIII abgenommen hat. Das Durchschnittsalter nahm dabei in der Gruppe der Erwachsenen im Vergleich der Untersuchungszeiträume von 48±24 Jahre in der AGI auf 59±23 Jahre in der AGIII zu. Mit ansteigendem Durchschnittsalter kam es in der Gruppe der Erwachsenen zu einem abnehmenden Geschlechterverhältnis männlich/weiblich von 1,23 auf 0,98, nicht jedoch bei den Kindern (1,46). Die mittlere Verletzungsschwere gemessen am ISS änderte sich im historischen Vergleich nicht und war statistisch nicht zwischen den Altersgruppen verschieden (16,7±14,7 bei Kindern vs. 15,0±15,0 bei Erwachsenen). Bei der Analyse der Klassifikation ergab sich eine höchst signifikante Altersspezifität hauptsächlich bedingt durch die im Kindesalter seltener vorkommenden Azetabulumfrakturen. Obwohl bei Kindern anteilmäßig mehr Komplexverletzungen vorkamen (13,7% vs. 9,2%), verfehlte der Unterschied die statistische Signifikanz (p=0,07). Auch ergab sich kein Unterschied bei dem Anteil der Patienten mit durchgeführten Notfallmaßnahmen (15,4% vs. 18,8%). Statistisch signifikante Unterschiede zeigten sich bei der Inzidenz spezifischer Komplikationen. Während Thrombosen/Embolien und neurologische Ausfälle bei Kindern gar nicht und ARDS und septisches MOV bei Kindern seltener waren (p<0,05), ergaben sich bei Infekten/Seromen/Wundheilungsstörungen und Implantat-assoziierten Komplikationen keine Unterschiede. Die klinischen Ergebnisse waren bei Kindern (n=10) durchschnittlich besser (EQ5D und Merle d’Aubigne, p<0,05) als bei Erwachsenen (n=631). Die Mortalität nach Beckenfrakturen sank in beiden Altersgruppen seit 1991 und wies keinen statistischen Unterschied zwischen den Gruppen auf (Kinder 6,25% vs. Erwachsene 4,58%).

Kindliche Beckenfrakturen sind seltene Verletzungen, wobei die historischen Veränderungen der Epidemiologie die Altersstruktur der Gesamtbevölkerung widerspiegeln. Die altersspezifischen Unterschiede ergeben sich bei der Klassifikation der Beckenfrakturen bedingt durch skelettale Besonderheiten und bei den Komplikationen bedingt durch Unterschiede im Immun- und Gerinnungssystem.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI46-857

doi: 10.3205/14dkou311urn:nbn:de:0183-14dkou3112

Published: October 13, 2014
© 2014 Zwingmann et al.
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Klinische und radiologische Ergebnisse bei Kindern und Jugendlichen mit Beckenringverletzungen

Klinische und radiologische Ergebnisse bei Kindern und Jugendlichen mit Beckenringverletzungen

Kruppa C, Dudda M, Schildhauer TA, Sietsema D, Khoriaty J, Jones C

Fragestellung: Beckenringverletzungen im Kindesalter sind selten und ihr Outcome in der Literatur wenig beschrieben. Sie werden in der Regel durch ein Hochrasanztrauma hervorgerufen und weisen schwerwiegenden Begleitverletzungen auf. In der Vergangenheit wurden diese Frakturen häufig konservativ behandelt, aktuell ist jedoch ein Trend zur operativen Therapie instabiler Frakturen, zu verzeichnen. Langzeitfolgen wie Beinlängendifferenzen und Schmerzsyndrome sind beschrieben. Ziel dieser Studie war die Analyse des klinischen und radiologischen Verlaufes nach Beckenringverletzungen bei Kindern und Jugendlichen.

Methodik: 120 Beckenfrakturen wurden zwischen 2002 und 2011 retrospektiv analysiert. Isolierte Os Coccygeum (1), Sakrum (1), Ileum (9) und Avulsionsfrakturen (29), sowie Follow up <6 Monate (47) wurden ausgeschlossen. Eingeschlossen wurden 33 Kinder mit Beckenringverletzungen. Die Verletzungen wurden mittels AO-Klassifikation als 2 A2, 3 B1, 16 B2, 10 B3 und 2 C2 Frakturen klassifiziert. Unfallmechanismus, Begleitverletzungen, Glasgow Coma Scale (GCS), Injury Severity Score (ISS), Länge des Krankenhausaufenthalts, Behandlung der Beckenfraktur, Infektionen und Pseudarthrosen wurden dokumentiert. Deformitäten, Schmerzen im unteren Rücken/SI Gelenken, Beinlängendifferenz, sowie Hüftgelenksbeweglichkeit wurden evaluiert.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Durchschnittsalter betrug 12,6 Jahre (4-16). Ursache war in 91% (30) ein Verkehrsunfall. Der durchschnittliche GCS betrug 13,6 (3-15), der mittlere ISS war 26 (4-66). Krankenhausaufenthalt betrug im Mittel 6 Tage (1-39). 30 (91%) hatten Begleitverletzungen. 2 Patienten (6%) benötigten interventionelle Embolisationen aufgrund von intrapelvinen Blutungen. Klinisch instabile Beckenringfrakturen wurden bei 16 Kindern operativ behandelt. Klinisch stabile Frakturen bei 17 Kindern konservativ. Das Follow up betrug im Mittel 25,6 Monate (6-84). Eine oberflächliche Wundinfektion lag vor. Es kam zu keiner Pseudarthrose. 20 (74.1%) wiesen im Follow up eine Höhendifferenz im Bereich des Ischiums oder Sakrums von 5-10mm auf (Outlet). 18 (66.7%) hatten eine Höhendifferenz von 5-10mm im Bereich des Sakrums oder Ileums (Inlet). Alle Kinder kehrten zu normalen Aktivitätsleveln zurück. 13 (39%) hatten Schmerzen im unteren Rücken/SI Gelenk. Dies war signifikant höher in der operativ behandelten Gruppe (p=0.008), sowie bei den Kindern mit 5-10mm sakraler Höhendifferenz (inlet) im Verlgeich zu denen mit 0-4mm (p=0.034). 3 Patienten (9%) hatten eine Beinlängendifferenz. Ein Kind wies persistierende neurologische Ausfälle auf. Bei 29 (88%) war das Hüftbewegungsausmaß uneingeschränkt.

Die Mehrheit der kindlichen Beckenringverletzungen werden durch Verkehrsunfälle hervorgerufen und haben schwerwiegende Begleitverletzungen. Eine Großzahl der Kinder wiesen persistierende Deformitäten auf. Kinder mit komplexen, klinisch instabilen Frakturen, die in der Regel operativ versorgt wurden, wiesen ein schlechteres Outcome auf als weniger komplexe, klinisch stabile Beckenringfrakturen.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI46-407

doi: 10.3205/14dkou310urn:nbn:de:0183-14dkou3103

Published: October 13, 2014
© 2014 Kruppa et al.
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