by G. H. | Apr 24, 2017 | News, Schulter
Führen Tenotomie und Tenodese der Bizepssehne (LBS) zu einem Kraftverlust der Flexionskraft im Ellbogengelenk? Eine biomechanische in-vivo Studie
Pietschmann MF, Eberhardt F, Mittermüller M, Schröder C, Müller PE
Fragestellung: Die Mitwirkung des M. biceps brachii an der Ellenbogenflexion wird in der Literatur mit bis zu 30% angegeben. Bei Pathologien an der RM bzw. der LBS wird die LBS häufig tenotomiert bzw. tenodesiert. Es wird seit langem kontrovers diskutiert, inwieweit die LBS für die Funktion der Schulter entbehrlich ist und welche negativen Auswirkungen ihre Durchtrennung auf die Kraft im Ellenbogengelenk hat. Das Ziel dieser Studie war die in-vivo Untersuchung, ob der Kraftverlustes bei der Flexion im Ellenbogen nach einer LBS-Tenotomie/-Tenodese klinisch relevant/signifikant ist.
Methodik: In einem standardisierten Versuchsaufbau wurde die maximale Flexionskraft im Ellenbogengelenk bei 90° Flexion und in maximaler Supinationsstellung des Unterarmes bestimmt. Zur Erstellung einer schultergesunden Vergleichsgruppe, wurden in jeder Dekade bei beiden Geschlechtern jeweils 7 Probanden untersucht; insgesamt 105 schultergesunde Probanden. Mit dem selben Versuchsaufbau wurden, ebenfalls für beide Geschlechter, Patienten nach LBS-Tenotomie bzw. einer Spontanruptur und LBS-Tenodese frühestens 8 Monate nach OP nachuntersucht.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: In der gesunden Vergleichsgruppe konnte mittels einer multivariaten Regressionsanalyse gezeigt werden, dass nur das Alter und das Geschlecht signifikante Einflussfaktoren bezüglich der Flexionskraft sind. Männer wiesen eine signifikant höhere Flexionskraft als Frauen in allen Altersgruppen auf. Mit zunehmendem Alter lässt die Kraft bei beiden Geschlechtern nach. Es konnte kein signifikanter Einfluss der erhobenen anthropometrischen Faktoren: Körpergröße, Gewicht, BMI, Armlänge, Armumfang, u.a. auf die Flexionskraft gefunden werden. Durch die Ermittlung einer Regressionsgeraden für die gesunden Probanden wurde es möglich, prognostische Werte für Personen eines bestimmten Alters des jeweiligen Geschlechts, in Hinblick auf das zu erwartende Flexionsmoment anzugeben. Die Untersuchung der Patienten mit tenotomierter oder tenodesierter (LBS) ergab, dass diese bezüglich Flexion innerhalb des 95%igen Konfidenzintervalls der Regressionsgeraden ihrer
Als einzige signifikante Einflussfaktoren auf die Flexionskraft konnten das Alter und Geschlecht bestimmt werden. Wir konnten zeigen, dass weder eine Tenodese noch eine Tenotomie der langen Bizepssehne zu einem relevanten Kraftverlust bei der Flexionsbewegung im Ellenbogengelenk führen.
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI35-120
doi: 10.3205/14dkou217, urn:nbn:de:0183-14dkou2176
Published: October 13, 2014
© 2014 Pietschmann et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.
by G. H. | Apr 24, 2017 | Knie + Endoprothetik, News
Normalisierung des Gangbildes bei Patienten nach Knie-TEP durch Gangtraining auf dem Laufband
Jöllenbeck T, Pietschmann J
Fragestellung: Untersuchungen konnten zeigen, dass im Laufe der Rehabilitation zwar deutliche Fortschritte erzielt werden, das Gangbild aber nicht nur zum Ende der Reha, sondern auch Jahre später noch deutliche Defizite aufweist. Hiermit verbundene Fehlstellungen und Mehrbelastungen können sowohl die Statik wie auch contralaterale Gelenkpartner beeinträchtigen und Folgeschäden wie übermäßige Abnutzungen oder Schmerzen verursachen. Nach ersten positiven Ergebnissen aus der neurologischen Reha war es das Ziel dieser Studie zu prüfen, ob ein visuelles Feedbacktraining auf dem Laufband Auswirkungen auf die Normalisierung des Gangbildes bei Patienten nach Knie-TEP aufweist und zur Reduzierung individueller Defizite beitragen kann.
Methodik: An der prospektiven Studie nahmen 40 Patienten nach Knie-TEP mit erlaubter Vollbelastung teil. Eine altersadäquate Vergleichsgruppe aus 8 Probanden diente als Referenz (RG). Die Patienten haben randomisiert verteilt auf zwei Interventionsgruppen (IG1 mit visuellem Feedback, IG2 ohne Feedback), ein 14-tägiges Laufbandtraining durchgeführt. Beim ersten und letzten Termin (MZP1/MZP2) wurde eine 3D-Bewegungsanalyse durchgeführt. Das Befinden der Patienten wurde vor jedem Training mittels VAS erfasst.
Das Training auf dem instrumentierten Laufband (Zebris FDM) bestand aus 6 Einheiten mit einer Dauer von max. 23 Min., beginnend mit 3 Min. Eingewöhnungsphase bei selbstgewähltem Gangtempo. Bei IG1 wurde danach eine Kurzganganalyse durchgeführt. Lag eine Schrittlängendifferenz der Fußabdrücke vor, wurde diese an die größere Schrittlänge angepasst. Die modifizierten Fußabdrücke wurden auf die Lauffläche projiziert und die Patienten gebeten, diese während der folgenden Trainingsphase möglichst genau zu treffen. Die Trainingsdauer durfte individuell gewählt werden, war aber auf 20 Min. begrenzt. IG 2 absolvierte das Laufbandtraining ohne visuelles Feedback.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen für IG1 über den Trainingszeitraum einen signifikanten Anstieg der Geschwindigkeit, zudem auf OP-Seite Verbesserungen der Schrittlänge und Standphasenverteilung sowie stärkere Verringerungen der Seitenunterschiede. Bei IG2 zeigen sich geringere Verbesserungen mit signifikanten Trends nur bei Geschwindigkeit und Schrittlänge. Gegenüber RG bleiben die meisten Parameter beider Gruppen signifikant defizitär.
Verbesserungen der Weg-Zeit-Parameter sind allgemein auf den normalen Heilungsprozess mit Verbesserungen der Gelenkbeweglichkeit und zunehmender Gangsicherheit bei gleichzeitiger Schmerzreduktion zurückzuführen und konnten bereits belegt werden. Ein visuelles Feedbacktraining auf dem Laufband scheint geeignet, eine schnellere Verbesserung und Normalisierung des individuellen Gangbildes zu ermöglichen. Die laufende Auswertung kinematischer und kinetischer Daten lässt weitere Aufschlüsse erwarten. Nach den bisher vorliegenden Daten kann jedoch vermutet werden, dass eine effektive und dauerhafte Reduzierung der Schonhaltung durch ein visuell gestütztes Laufbandtraining möglich ist.
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI34-1263
doi: 10.3205/14dkou216, urn:nbn:de:0183-14dkou2165
Published: October 13, 2014
© 2014 Jöllenbeck et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.
by G. H. | Apr 24, 2017 | Knie + Endoprothetik, News
Frühergebnisse eines Fast-Track-Behandlungskonzepts (Enhanced Recovery Programm) im Bereich der primären Hüft- und Knieendoprothetik an einem großen Patientenkollektiv
Westphal KC, Hemme S, Baumann B
Fragestellung: Im Bereich der Hüft- und Knieendoprothetik haben in den letzten Jahren die Versorgungskonzepte der Fast-Track-Chirurgie deutlich an Bedeutung gewonnen. Im Detail geht es um die Optimierung der Prozesse des gesamten Behandlungspfades mit dem Ziel, die Rehabilitation des Patienten bei verbesserter Ergebnisqualität zu beschleunigen. Auf dieser Basis wurde in klinikübergreifender Projektarbeit das Enhanced Recovery Programm (ERP) entwickelt. Die wesentlichen Bausteine von ERP, die den Unterschied zum konventionellen Vorgehen ausmachen, sind u.a.: Umfangreiche Patientenschulung- und vorbereitung, anästhesiologische (z.B. Tranexamsäure) und schmerztherapeutische (z.B. lokale Infiltrationstherapie) Besonderheiten, Verzicht auf Drainagen, Frühmobilisation am OP-Tag, keine Restriktionen in der Nachbehandlung. Die Hypothese dieser Studie ist, dass Patienten, die nach dem ERP-Konzept eine primäre Knie- oder Hüftendoprothese erhielten, bessere Frühergebnisse erzielen im Vergleich zu Patienten, die nach dem konventionellen Behandlungspfad versorgt wurden.
Methodik: In dieser retrospektiven, monozentrischen, interventionellen Fallserie mit Kontrollgruppe wurden in der Zeit von 06/2012 bis 06/2013 insgesamt 689 unselektierte Patienten nach dem ERP-Konzept behandelt (451 Hüft-TEP, 238 Knie-TEP; Ø67 Jahre). Als historische Kontrollgruppe dient ein konsekutives Kollektiv mit 593 Patienten von 07/2011 bis 10/2011 (346 Hüft-TEP, 247 Knie-TEP; Ø69 Jahre). Die Patientencharakteristika (Alter, Geschlecht, präoperativer Staffelstein-Score, präoperativer Hb-Wert) zeigen keine signifikanten Unterschiede zwischen der ERP-Gruppe und dem zufällig ausgewählten Kontrollkollektiv. Die Hauptzielvariablen sind der Staffelstein-Score (präoperativ, Reha-Entlassung), Blut-Transfusionsrate und Komplikationen während des stationären Aufenthalts. Die Indikationsstellung für die Bluttransfusionen, die Komplikationserfassung und Messung der Zielvariablen erfolgten in beiden Prüfgruppen unabhängig und nach identischen Kriterien.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Zum Zeitpunkt der Entlassung aus der Reha zeigte sich ein signifikant (p<0,05) besserer Staffelstein-Score bei der ERP-Gruppe (Knie-TEP 108, Hüft-TEP 110) im Vergleich zum konventionellen Behandlungspfad (Knie-TEP 97, Hüft-TEP 102). Transfusionsraten in der ERP-Gruppe bei den Hüft-TEP 1,8% und bei den Knie-TEP 0,8%. Im Gegensatz im Kontrollkollektiv signifikant (p<0,05) höhere Transfusionsraten (Hüft-TEP 9,9%; Knie-TEP 6,1%). Die Komplikationsstatistik (Letalität, Luxation, Infektion, Frakturen, kardiovaskuläre Ereignisse, etc.) zeigten keine signifikanten Unterschieden.
Diese Studie zeigt, dass sich im Bereich der primären Knie- und Hüftendoprothetik durch das ERP-Konzept ein signifikant besseres frühfunktionelles Behandlungsergebnis (Staffelstein-Score) erzielen lässt. Eine deutlich reduzierte Transfusionsrate sowie Ausbleiben vermehrter Komplikationen empfehlen ERP als Standard-Behandlungspfad.
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI34-1201
doi: 10.3205/14dkou215, urn:nbn:de:0183-14dkou2151
Published: October 13, 2014
© 2014 Westphal et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.
by G. H. | Apr 18, 2017 | Knie + Endoprothetik, News, Trainingstherapie
Fast Track in der Knieendoprothetik: Schneller, besser, günstiger? Eine evidenzbasierte, systematische Literaturrecherche
Quack V, Ippendorf A, Rath B, Arbab D, Nebelung S, Tingart M, Lüring C
Fragestellung: Die demographische Entwicklung geht einher mit einer stetig ansteigenden Anzahl von Patienten mit Arthrose im Kniegelenk. In Deutschland werden jährlich mehr als 158.000 Kniegelenksendoprothesen implantiert, Tendenz steigend. Die Implantation einer Endoprothese ermöglicht den Patienten bei einer ausgeprägten Gonarthrose nach der Operation einen großen Gewinn an Lebensqualität. Gleichzeitig sollen hierdurch auch arthrose-bezogenen Kosten vermindert werden. Mit dem Anstieg der Implantationen erhöhten sich in den letzten Jahren auch die Kosten für das Gesundheitssystem erheblich. Seit einigen Jahren wird versucht, die Fast Track Rehabilitation (FTR) in der Knieendoprothetik zu etablieren. Ziel ist eine schnellere Rehabilitation, eine schnellere Rekonvaleszens und eine schnellere funktionelle Verbesserung. Hierdurch sollen auch die Kosten im stationären und ambulanten Bereich gesenkt werden.
Das Ziel dieser systematischen Literaturrecherche dient der Verifizierung der Hypothese, dass Patienten nach endoprothetischer Versorgung des Knies mit FTR schneller, besser und günstiger rehabilitieren.
Methodik: Systematische Literaturrecherche für den Zeitraum 01/1978 bis 08/2013 in Pubmed und von 01/1960 bis 08/2013 in Medline. Schlagwörter: „rehabilitation“ oder „training“ oder „physiotherapy“ oder „physical therapy“ oder „recovery“ oder „exercise program“ und „kneesurgery“ oder „TKA“ oder „total knee replacement“ oder „arthroplasty“ und „intensive“ oder „multidisciplinary“ oder „accelerated“ oder „rapid“ oder „fast track“. Einschlusskriterien: Studiendesign RCT oder Metaanalyse. Die Artikel wurden von 2 unabhängigen wissenschaftlichen Mitarbeitern ausgewertet.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Primär wurden 729 Artikel identifiziert. Nach Durchsicht aller Abstracts wurden 133 Paper in die nähere Auswahl einbezogen. Letztendlich verblieben 10 Studien. 2 randomisierte Studien zur Einschätzung der Kosteneffektivität unter Einbeziehung des klinischen Outcomes wurden einbezogen.
Alle Studien stimmen überein, dass die Liegezeit im Akutkrankenhaus durch die FTR signifikant verkürzt werden kann ohne das klinische Outcome negativ zu beeinflussen. Allerdings zeigt sich besonders im Bereich des klinischen Outcomes und der Kosteneffektivität eine Heterogenität der Ergebnisse. Ein besseres klinisches Outcome nach FTR kann anhand der Studien nicht eindeutig belegt werden. Die einbezogenen Kosteneffektivitätsstudien wiesen widersprüchliche Ergebnisse auf. In der ersten Studie wurde eine Kostenersparnis durch die FTR nachgewiesen, in der zweiten Studie zeigte sich dagegen der konservative Weg kostengünstiger und gleich effektiv. Weiterhin stellt sich die Frage, ob es zu einer Verschiebung der Kosten heraus aus dem stationären Bereich in den ambulanten und Rehabilitationsbereich kommt.
Die Ergebnisse der systematischen Literaturrecherche lassen weiterhin offen, inwieweit die FTR das klinische Outcome verbessert und die Kosten verringert. Allerdings kann eine kürzere Verweildauer im Akutkrankenhaus erreicht werden.
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI34-602
doi: 10.3205/14dkou214, urn:nbn:de:0183-14dkou2143
Published: October 13, 2014
© 2014 Quack et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.
by G. H. | Apr 18, 2017 | Allgemein, News
Der Berufsverband Österreichischer Fachärzte für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (BVDO) wünscht frohe und stressfreie Ostern und erholsame Tage.