Ewing-Sarkom: Neues zur Metastasenbildung

Bei der Ausbreitung von Metastasen spielen regulatorische Proteine, die bestimmte genetische Netzwerke aktivieren, eine bedeutende Rolle. Einige dieser Schlüsselproteine könnten für die Vorhersage des Krankheitsverlaufes von Ewing-Sarkom-Patienten genutzt werden, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Ein genetischer Defekt, der zu einer krebstreibenden Mutation im Gen EWSR1-ETS führt, beeinflusst den Rückfall und die Metastasenbildung beim Ewing-Sarkom. Das vom mutierten EWSR1-ETS abgelesene Protein aktiviert bestimmte genregulatorische Netzwerke, die über den Krankheitsverlauf entscheiden. Die Forscher korrelierten diese Daten mit dem Krankheitsverlauf von 166 Ewing-Sarkom-Patienten und identifizierten das genregulatorische Protein TCF7L1 als potenziellen Biomarker. Bei Patienten mit ungünstigem Krankheitsverlauf produzierten die Tumorzellen nur wenige Mengen TCF7L1. Zudem fanden die Forscher in Metastasen deutlich weniger TCF7L1 als in den Primärtumoren. «Wir gehen deshalb davon aus, dass die geringen Mengen dieses Proteins dazu führen, dass genetische Netzwerke aktiviert werden, die den aggressiven Krankheitsverlauf und die Bildung von Metastasen eher begünstigen», erklärt Prof. Dr. Dr. Thomas Grünewald vom Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg, Deutschen Krebsforschungszentrum und Universitätsklinikum Heidelberg.

Umgekehrt konnte eine wiederhergestellte TCF7L1-Produktion die Ausbreitung von Metastasen unterdrücken, wie Untersuchungen bei Mäusen zeigten. Möglicherweise ist TCF7L1 auch eine geeignete Zielstruktur, um Ewing-Sarkome zu behandeln und eine Metastasierung zu verhindern. Diesem Ansatz wollen die Forscher in Folgestudien weiter nachgehen. 

Quelle:
Pressemitteilung Wilhelm-Sander-Stiftung, 4. Januar 2022

Originalpublikation:
Cidre-Aranaz F et al.: Integrative gene network and functional analyses identify a prognostically relevant key regulator of metastasis in Ewing sarcoma. Mol Cancer 2022; 21(1): 1

Bild:
Gewebeschnitt durch ein Ewing-Sarkom: Wird die EWSR1-FLI1-Produktion gedrosselt, steigt die Menge des Biomarkers TCF7L1 in den Krebszellen (pink)

© F. Cidre Aranaz/ KiTZ