Keimspektrum der Haut bei Patienten vor endoprothetischen Eingriffen: Ist die perioperative Standardprophylaxe geeignet?

Keimspektrum der Haut bei Patienten vor endoprothetischen Eingriffen: Ist die perioperative Standardprophylaxe geeignet?

Mühlhofer HML, Deiß L, Pohlig F, Lenze U, Lenze F, Schauwecker J

Fragestellung: Im Rahmen der Endoprothetik stellt eine periprothetische Infektion eine folgenschwere Komplikation dar. Diese Infektionen sind häufig einer intraoperativen Kontamination des Situs mit Hautkeimen geschuldet. Durch eine seit Jahren übliche perioperative Antibiotikaprophylaxe (meist Cephalosporin der 2. Generation) konnte die Infektionsrate signifikant reduziert werden. Eine Veränderung des Keimspektrums und eine zunehmende Resistenzentwicklung stellen die Eignung dieser Standardprophylaxe in Frage. Ziel der vorliegenden Studie war es daher, das präoperativ auf der Haut befindliche Keimspektrums und entsprechende Resistenzmuster zu erfassen.

Methodik: Insgesamt wurden 100 Patienten vor primärer Implantation einer Totalendoprothese sowie 50 Patienten vor endoprothetischen Revisionseingriffen in die Studie eingeschlossen. Bei den primären Implantationen handelte es sich um 60 Hüft- und 40 Kniegelenke. Bei den Revisionseingriffen handelte es sich um 28 Hüft- und 22 Kniegelenke. Bei allen Patienten erfolgte präoperativ ein mikrobiologischer Abstrich im Bereich des operativen Zugangsweges. Anschließend erfolgte die mikrobiologische Aufarbeitung des Abstriches im Rahmen der Routinediagnostik. Das Keimspektrum der Hautflora wurde differenziert, auf Resistenzen getestet und die minimale Hemmkonzentration (MHK) bestimmt. Abschließend wurden die Daten statistisch ausgewertet.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: In der Differenzierung der Hautflora zeigten sich bei einem Großteil der Patienten Keime, die klassischerweise für Low-Grade-Infektionen und septische Prothesenlockerungen verantwortlich sind wie beispielsweise Staph. epidermidis oder Staph. haemolyticus. Ferner konnte ein Unterschied im Keimspektrum von Patienten mit Primärimplantationen und Revisionsoperationen nachgewiesen werden. Des Weiteren zeigt sich insbesondere bei Revisionspatienten eine erhöhte Resistenzrate gegen die als Standardprophylaxe eingesetzten Cephalosporine. Gegen Glyopeptide waren nahezu alle nachgewiesenen Keime sensibel.

Die aktuell hauptsächlich zur perioperativen Antibiotikaprophylaxe verwendeten Cephalosporine sind zu einem erheblichen Anteil bei Primärimplantation von Endoprothesen und insbesondere bei Revisionseingriffen gegen die Hautkeime der Patienten unwirksam, was mit einem erhöhten Risiko für periprothetische Infekte einhergeht. Aufgrund der vorliegenden Daten erscheint die Diskussion über eine Änderung der perioperativen Antibiotikaprophylaxe bei endoprothetischen Operationen dringend erforderlich. Eine mögliche Alternative insbesondere bei Revisionsoperationen stellen Glykopeptide dar.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI61-1433

doi: 10.3205/14dkou451 urn:nbn:de:0183-14dkou4511

Published: October 13, 2014
© 2014 Mühlhofer et al.
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