Winkelstabile Plattenosteosynthese vs. primäre Ellenbogenprothese in der Versorgung komplexer distaler Humerusfrakturen

Winkelstabile Plattenosteosynthese vs. primäre Ellenbogenprothese in der Versorgung komplexer distaler Humerusfrakturen

Ellwein A, Wirtz P, Katthagen JC, Jensen G, Voigt C, Lill H

Fragestellung: Als Goldstandard in der Versorgung komplexer distaler Humerusfrakturen (C-Frakturen) gilt weiterhin die offene Reposition und stabile innere Fixation mit winkelstabilen Implantaten zur frühfunktioneller Nachbehandlung. Ausnahmen bieten nicht rekonstruierbare Frakturen, die eine Indikation zur Ellenbogenprothese darstellen. Zunehmend wird auch bei komplexen Frakturen älterer Patienten (über 65 Jahre) die primäre Implantation einer Ellenbogenprothese empfohlen, da hier eine ausgeprägte Osteoporose zu erwarten ist.

In der Literatur ist der Vergleich zwischen winkelstabiler Osteosynthese und Prothese in der Fraktursituation nur in geringer Zahl untersucht. Es zeigen sich jedoch Hinweise, dass die funktionellen Ergebnisse von Ellenbogenprothesen etwas besser zu sein scheinen bei höheren Komplikationsraten. Es gilt, dies durch weitere Daten zu überprüfen.

Methodik: In einer retrospektiven Level III Studie wurden alle Patienten erfasst, die seit August 2008 aufgrund einer C-Fraktur des distalen Humerus operiert wurden. Es erfolgte eine Nachuntersuchung mit Auswertung des Bewegungsausmaßes, MEPS, DASH und Komplikationen.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Seit August 2008 wurden 44 distale Humerus C-Fraktur operativ behandelt. 25 (57%) erhielten eine Plattenosteosynthese, 19 (43%) eine primäre Ellenbogenprothese. Zwei Patienten wurden aufgrund eines Osteosyntheseversagens im Verlauf in eine Ellenbogenprothese konvertiert. Diese wurden in die Auswertung der funktionellen Ergebnisse nicht einbezogen. 8 Patienten der Prothesen- und 15 der Osteosynthesegruppe konnten nachuntersucht werden. Der Altersmedian der Prothesengruppe lag bei 73 Jahren (41 bis 82 Jahre), der Median der Osteosynthesegruppe bei 55 Jahren (15 bis 81 Jahre). Das durchschnittliche Follow-up war 31,9 Monate (Osteosynthese) beziehungsweise 29,3 Monate (Prothese). Die ROM in Extension/Flexion lag bei 102° (Prothese) und 96° (Osteosynthese). Die ROM für Pro- und Supination lag bei 175° (Prothese) und 177° (Osteosynthese). Die Ergebnisse im MEPS ergaben zu 80% (Osteosynthese) und 63% (Platte) gute bis sehr gute Ergebnisse beziehungsweise zu 20% (Prothese) und 37% (Platte) befriedigende bis schlechte Ergebnisse. Schwere Komplikationen traten zu 12% nach Prothesenimplantation und 35% nach Osteosynthese auf.

Ein signifikanter Unterschied in der Versorgung von C-Frakturen am distalen Humerus liegt im Vergleich zwischen winkelstabiler Plattenosteosynthese und primärer Ellenbogenprothese nicht vor. Jedoch lässt sich ein Trend zu besseren Ergebnissen nach Osteosynthese anhand des MEPS bei höherer Komplikationsrate feststellen.

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI13-1404

doi: 10.3205/14dkou031, urn:nbn:de:0183-14dkou0313
Published: October 13, 2014

© 2014 Ellwein et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.